BURNOUT SYMPTOME / PHASEN

 

Nach Dr. med. Miriam Priess (2013) entwickelt sich Burnout über vier Phasen – die Alarmphase, die Widerstandsphase, die Erschöpfung und der Rückzug – und zwar auf vier verschiedenen Ebenen: Das heißt, man hat auf allen Ebenen Symptome: Körperlich, emotional, gedanklich und auf der Verhaltensebene.

 

Alarmphase: Die Symptome der Alarmphase sind die klassischen ersten Stresssymptome, je nach Konstitution und individueller Wahrnehmung der Betroffenen,  können sie mehr oder weniger ausgeprägt auftreten: Unruhe, Nervosität, Unsicherheit, Angst, innere Unruhe, Anspannung. 

 

Widerstand: während das Grundgefühl der Alarmphase die Angst war,  ist es in der Widerstandsphase der Ärger. Sie ist die zentrale Pahse auf dem Weg zum Burnout. Gegenhalten kostet sehr  viel Kraft und braucht Reserven auf. die körperlichen Symptome gehen jetzt in einen tieferen Bereich: z.B. können Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, Engegefühl in der Brust, Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche bzw. Tinnitus, Verspannungen, Rückenschmerzen, allergische Hautreaktionen etc. auftreten. Auf der Ebene der Gedanken kann es z.B. in folgende Richtungen gehen:   "Mit mir nicht", "Das lass ich mir nicht gefallen", Jetzt erst recht", "Dem zeige ich es", "Die wird schon sehen was sie davon hat". Oft beginnen die Betroffenen  zu grübeln, oft vergeblich und ohne Lösung was das Gefühl der Hilflosigkeit zur Folge hat. Sie kompensieren durch mehr Arbeit und greifen zu Suchtmitteln – um sich und der Umwelt zu beweisen, dass alles gut ist.  Betroffen sagen, dass sie sich wie ein Hamster im Laufrad oder wie ein Tiger im Käfig gefühlt haben, doch irgendwann erschöpfen sich auch Wut und Ärger in Vergeblichkeit.  Kompensationen mit Drogen oder Alkohol können sich verstärken. 

 

Erschöpfungsphase: Die Betroffenen beginnen sich zurückzuziehen. Sie beschreiben einen leeren Kopf, zunehmende Vergesslichkeit, wachsende Konzentrationsstörungen, starkes Grübeln und ständig wiederkehrende Gedanken. Individuell verschieden überlaufen die einen vor Gefühl (Traurigkeit, Weinen), während andere erstarren und gar nichts mehr fühlen. Manchmal treten Paniksymptome auf. Grundgefühl: "mir wird alles zuviel", "ich kann nicht mehr" , "ich bin nichts wert". Menschliche Kontakte werden als Belastung erlebt. Die Erschöpfungsphase ist begrenzt, als letzte Bewältigungsmöglichkeit erscheint der vollkommene innere Rückzug. 

 

Der Rückzug: Gedanken wie "ich will nur noch meine Ruhe haben", "ich kann nicht mehr" dominieren. Ursprüngliche Wut und Ärger auf das dominante Gegenüber werden aus Angst und Ohnmacht meist nicht geäußert, Impulse der Selbstvernichtung z.B. Suchtmittelmissbrauch verstärken sich. Eine allgemeine Starre tritt ein, das Gefühl der Gefühllosigkeit kommt auf: "ich nehme die Umwelt nur noch wie durch  Nebel oder Watte wahr". Massive Antriebslosigkeit  auf der Verhaltensebene

 

Die Reihenfolge ist nicht festgelegt und es gibt immer ein Zurück: allerdings gilt auch hier: je weiter unten sie sich befinden desto schwieriger wird es wieder nach oben zu kommen

 

Artikel: Frankfurter Neue Presse:  Die Krankheit Burnout 

BURNOUT VERLAUF IN 12 STUFEN

Die 12 Stufen nach Herbert Freudenberger und Gail North (1992): 

  1. Zwang sich zu beweisen 
    große Begeisterung für die Arbeit, Übersehen eigener Grenzen, Zurückstellen eigener Bedürfnisse
  2. Verstärkter Einsatz 
    freiwillige Mehrarbeit, unbezahlte Überstunden Arbeit im Urlaub und am Wochenende, Gefühl der Unentbehrlichkeit 
  3. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse  gelegentliche Schlafstörungen, weniger soziale Kontakte, erhöhter Konsum von Koffein, Schokolade und/oder Alkohol 
  4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
    Fehlleistungen z.B. Vergessen von Terminen, Ungenauigkeit, Energiemangel, Schwächegefühl, Aufgabe von Hobbies
  5. Umdeutung von Werten
    Abstumpfung und Aufmerksamkeitsstörungen, private Kontakte werden vermieden und als belastend empfunden, Probleme mit dem/der Partnerin im Zeichen des Beziehungs-Burnouts.
  6. Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme
    Gefühl mangelnder Anerkennung, Desillusionierung, Widerstand täglich zur Arbeit zu gehen, "innere Kündigung", vermehrte Fehlzeiten
  7. Rückzug
    Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, innere Lehre, Ersatzbefriedigung durch Essen, Alkohol etc.,weiterer Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Entscheidungsunfähigkeit
    Psychosomatische Reaktionen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen, Bluthochdruck
  8. Deutliche Verhaltensänderung
    Selbstmitleid, Einsamkeit, ärgerliche Reaktion auf gut gemeinte Zuwendung, verringerte Initiative, verringerte Produktivität, Gefühl der Sinnlosigkeit, wenig Anteilnahme an anderen, Verflachung des sozialen Lebens
  9. Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
    Entfremdung,  automatenhaftes Funktionieren, psychosomatische Reaktionen verstärken sich
  10. Innere Leere
    Wechsel zwischen starken schmerzhaften Emotionen mit dem Gefühl des inneren Abgestorbenseins, Panikattacken, Angst vor Menschen, Einsamkeit, 
  11. Depression und Erschöpfung
    negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, starker Wunsch nach Dauerschlaf, Existenzielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken
  12. Völlige Burnout Erschöpfung
    Nervenzusammenbrüche, Herz-Kreislauferkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Selbstmordgefahr 

 

Vor Beginn der Behandlung ist es wichtig eine umfassende Psychodiagnostik und Anamnese durchzuführen, um andere psychische bzw. psychiatrische Krankheiten (z.B. Depression, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen ) oder organische Erkrankungen (z.B. Hirnerkrankung oder Hormonstörungen) als Ursache für die Symptomatik auszuschließen. Ausführliche Gespräche bilden die Basis für das tiefgehende Verständnis der Ursache der Symptomatik, validierte Fragebögen dienen zur Absicherung der Diagnostik.  

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